1000 Jahre Monopoly - ohne Reset des Spielstandes

Das Spiel des
Lebens

Lustig-Weltbewegend-Tiefgründiges

von Mensch zu Mensch

 

Stellen sich mal vor, Sie spielen 1000 Jahre Monopoly, aber nicht mehrere Spiele hintereinander von Neuem, sondern nur ein Spiel 1000 Jahre lang! Da fragen Sie sich wahrscheinlich: „Welcher Verrückte macht den so was? Das macht doch irgendwann gar keinen Spaß mehr.“ Sollte man meinen, gell. Aber was wir im Kleinen sofort verstehen, flutscht uns in großen Zusammenhängen schnell mal durch die Gehirnwindungen, wie sich im folgenden zeigen wird ...


Monopoly ist ein Gesellschaftsspiel, bei dem alle Spieler das gleiche Startkapital erhalten. In der Folge würfelt man und kommt entweder auf Straßen, die man käuflich erwerben kann oder man gerät auf Ereignisfelder, die einen entweder mit Arztkosten, Renovierungskosten oder Steuerzahlungen konfrontieren. Oder das Spieleleben meint es gut mit einem und man erhält Geld aus einem Schönheitswettbewerb, Dividenden, Mietzahlungen, u.s.w. Wenn ein anderer Spieler auf eine Straße kommt, die man besitzt, so muss er Miete zahlen. Besitzt man mehrere Straßen, kann man Häuser und Hotels darauf errichten und erhält erheblich mehr Miete von anderen. Nach jeder Spielrunde in der man sich durch die Besitztümer der anderen und die Ereignisse des Lebens laviert hat, erhält man 4.000,-- € von der Bank, welche man auf einem Steuerzahlungsfeld kurz danach schnell wieder verlieren kann. Ach ja und man kann untereinander auch tauschen und handeln. Fast wie aus dem richtigen Leben geschnitten, oder? Aber dieses Gesellschaftsspiel um Geld und Besitz wird im Spielverlauf noch lebendiger ...


Mit einer Mischung aus Glück, kaufmännischem Geschick und gesundem Egoismus ergattert man immer mehr Straßen und besetzt diese mit Häusern und Hotels - als Tretminen für weniger erfolgreiche Mitspieler, welche ihre finanziellen Spielräume immer mehr in Mietzahlungen an erfolgreiche Monopolisten erschöpfen. Je länger man spielt desto mehr scheiden sich die erfolgreichen Glücksgeister von den Businessnieten. Je größer das Ungleichgewicht ist, desto schneller und wahrscheinlicher fallen Geld und Straßen vermögenden Spielern mit viel Besitz zu. Irgendwann gibt es zwangsläufig nur noch einen Reichen und viele Besitzlose, die nacheinander Pleite gehen. An dieser Stelle endet das Spiel, die Pleitegänger gratulieren dem Sieger und danach beginnen entweder alle gemeinsam ein neues Spiel von vorne oder wenden sich anderen Gesellschaftsspielen zu.


Stellen Sie sich nun vor, Sie spielen dieses Spiel 1000 Jahre lang weiter, ohne jemals neu von vorne zu beginnen und die Besitzverhältnisse zu resetten. Wenn ein Spieler stirbt, dann übernehmen seine Nachkommen beim aktuellen Spielstand die aktuellen Besitzverhältnissen des Vorahnen. Sämtlicher Besitz an Straßen, Häusern und Hotels ist dann bereits verteilt und selbst bei viel Glück mit positiven Lebensereignissen kann man an der Ausgangssituation eigentlich nichts mehr drehen. Die einzige Möglichkeit wie sich die Verhältnisse grundlegend ändern können, liegt darin, dass ein reicher Alles-Besitzer-Nachfahre freiwillig durch soziale Gesinnung oder unfreiwillig durch Ungeschicklichkeit beziehungsweise Verschwendungssucht seinen Besitz verliert. Das soll es ja im wahren Leben auch schon gegeben haben o:).


Entdecken Sie Parallelen zwischen dem 1000-jährigen Monopoly und den Spielregeln, an welchen sich unsere Gesellschaft orientiert? Ist Ihnen schon mal aufgefallen wie ungleich die Besitzstände in unserem Land verteilt sind? ... dass es Menschen mit riesigen Vermögen gibt, die nur selten auf einen entsprechenden gesellschaftlichen Beitrag eines Einzelnen zurückzuführen sind? Haben Sie sich in diesem Zusammenhang schon mal Gedanken darüber gemacht, zu wie viel Reichtum es selbst innovative Köpfe wie beispielsweise ein Bill Gates bringen - ohne zahlreiche Softwareingenieure, welche die Programme schreiben oder ohne Arbeiter, welche die PC´s´zusammenschrauben?

Wurden Besitzstände bei Übergang von der Monarchie auf unsere heutige Demokratie glatt gezogen oder wurden die damaligen Ungleichgewichte schlichtweg als Ausgangsbasis in die Demokratie eingetragen? ... Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, was Vererbung von Besitzständen über Generationen hinweg bewirkt?  ...


Nein, na dann weiterhin viel Spaß im Monopoly des Lebens auf europäischen Straßen.


Ja, dann gibt es zwei Möglichkeiten:


  1. a)Sie möchten weiterhin Monopoly spielen, aber unter fairen und gleichen Startbedingungen?
    --> Dann sollten Sie dafür plädieren, die Vererbungsgesetze und steuerliche Verteilungsmechanismen zu ändern!

  2. b)Sie möchten einfach nur gut leben, Besitz und Vermögen ist Ihnen eigentlich egal und als Lebensziel zu trivial?
    --> Dann sollten Sie sich für eine alternative Gesellschaftsordnung zum markwirtschaftlichen Monopoly engagieren.


Wir Menschen sind frei, in dem wonach wir streben und an welchen gesellschaftlichen Zielen wir uns ausrichten. Weder irgendein Gott noch Mensch hat in den Stein der Ewigkeit gezimmert, dass wir Gesellschafts-Monopoly spielen müssen. Unsere gesellschaftliche Orientierung nach Angebot und Nachfrage ist auch auf großer, übergeordneter Ebene unseres Staates nur ein markwirtschaftliches Gesellschaftsspiel mit definierten Regeln und daraus resultierenden Konsequenzen für Einzelne. Neben Monopoly wurde in den vergangenen Jahrtausenden gerade von gelangweilten Reichen häufig noch parallel das Gesellschaftsspiel Risiko gespielt - ein Spiel bei dem es darum geht, möglichst viele Länder zu unterwerfen und die Welt zu erobern. Aber wie wäre es mal mit einem menschlichen Gesellschaftsspiel, bei dem diejenigen belohnt werden, welche etwas zum Wohle der Allgemeinheit beitragen? Ach übrigens, selbst hierfür könnten sich die heutigen Monopoly-Sieger durch Wandlung ihrer Monopoly-Reichtümer in Gesellschaftswohl bereits einen vorderen Platz auf dem Siegertreppchen ergattern. Aber dagegen hätte wohl keiner was, oder?


Ach und damit nichts Unverdauliches in den Hals gerät: Monopoly, sprich die freie Marktwirtschaft beinhaltet durchaus auch positive Aspekte, wie z.B.: „Wer viel leistet, bekommt auch viel.“ Aber dies wird zum einen durch Vererbung konterkariert und zum anderen sollte auch darauf geachtet werden: „Was man leistet und wem dies dient oder schadet!“ Auf leistungsstarke Unternehmen und Menschen, die einem Ungesundes, Schädliches oder Verwerfliches unterschieben, kann man gut und gerne verzichten!


Sehen Sie im folgenden Artikel, warum ein rein marktwirtschaftliches System nicht mehr zielführend ist, sobald eine Gesellschaft einen gewissen Technologiestandard und Sättigungsgrad der Bedürfnisse erreicht hat.


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zum Folgeartikel Überfluss - Die Hölle einer freien Marktwirtschaft!


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Wirtschaft ist ein System, ...

dass wir geschaffen haben, damit es uns mit Waren versorgt. Somit sollte Wirtschaft dem Menschen dienen und nicht Menschen der Wirtschaft. Ansonsten würde der große Deutschlehrer sagen: "Hier hast Du Dich als eigentliches Subjekt mit dem Objekt "Wirtschaftssystem" verwechselt, mein liebes Menschlein!"