Die kollektive Verantwortung jedes Einzelnen

Das Spiel des
Lebens

Lustig-Weltbewegend-Tiefgründiges

von Mensch zu Mensch

 

Innerhalb einer Demokratie übertragen wir unsere Verantwortung für unser gesellschaftliches Gemeinwohl an Politiker. Nach der Wahl ist ein Bürgermeister, Ministerpräsident oder Bundeskanzler beauftragt, unserem Gemeinwohl im Rahmen der übertragenen Kompetenzen zu dienen. Diese Menschen tragen damit eine große Verantwortung, nämlich so groß, wie die Anzahl der Bürger, die sie vertreten. Nun stellt man fest, dass die gewählten Volksvertreter diese Verantwortung nicht durchweg wahrnehmen. Oft vernachlässigen sie ihre Verantwortung und üben statt dessen die Macht ihrer Position zum eigenen Wohle aus. Aber warum eigentlich?


Natürlich liegt das erst mal an den entsprechenden Akteuren in Politik und Wirtschaft. Darüber regen wir uns berechtigterweise auch auf und diskutieren deren Verfehlungen eingehend an Küchentischen, Stammtischen, Arbeitsplätzen und in Zeitungen. Allerdings kann Macht nur dort missbraucht werden, wo auf der anderen Seite der Medaille Ohnmacht besteht. Aber wie kann innerhalb einer freiheitlichen Demokratie Ohnmacht als Nährboden für Machtmissbrauch bestehen?


Die Grundlage hierfür bildet die Verantwortungslosigkeit von vielen Einzelnen gegenüber dem Ganzen. Die meisten denken, indem sie Verantwortung an andere übertragen, sind sie diese automatisch los. Das funktioniert aber nicht. Letzten Endes haben immer wir einen korrupten Politiker mit unserer Wahl legitimiert oder mit unserer Kaufentscheidung einen rücksichtslos agierenden Konzern unterstützt.


  1. Fazit

  2. Der Nährboden für Machtmissbrauch ist die Selbstverständlichkeit von Einzelnen gegenüber dem Ganzen. Ergänzt und gewässert durch deren Sorglosigkeit kann das Pflänzlein des Machtmissbrauchs in die Höhe wachsen. Und durch die Vielzahl einzelner Sorgloser verbreitet sich die Unkultur wie Unkraut über eine ganze Gesellschaft.


Selbstverständlichkeit

Selbstverständlichkeit führt dazu, dass es als selbstverständlich angesehen wird, wenn Amts- und Würdenträger „ihren Job machen“. Das ist es aber nicht, denn deren Job ist ob der großen Verantwortung, der verschiedenartigen Aufgabenstellungen und der Problematik, es vielen Recht zu machen sehr schwierig. Anstatt dies angemessen zu honorieren, melden wir uns meistens nur mit Vorwürfen zu Wort, wenn uns etwas seitens Politikern nicht passt. Nicht gescholten ist Lob genug, lautet die Devise, wovon auch jeder freiwillige Vereinsvorstand ein Lied singen kann. Vom kleinen Vereinsvorstand bis zum großen Politiker erfahren in unserer Gesellschaft verantwortungsvolle Personen wenig Wertschätzung, dafür aber viel Hohn, Spott und Schelte, wenn mal etwas daneben geht. Darüber hinaus wird von den engagierten Führenden erwartet, dass diese wie bei kleinen Kindern Lob verteilen, wenn andere ihren kleineren Teil zum Ganzen beitragen. Gleichzeitig wollen aber alle wie mündige Erwachsene behandelt werden. Also zusammengefasst:


  1. Führende sollen sich immer etwas Neues und Besseres einfallen lassen - möglichst selbst mit anpacken und mit gutem Beispiel voran gehen - haben dadurch die meiste Arbeit - bekommen dafür wenig oder keine Anerkennung - sollen aber anderen für deren relativ gesehen kleineren Beitrag den Bauch pinseln - den Ruhm teilen, wenn etwas gelungen ist - aber die alleinige Verantwortung tragen, wenn etwas schief geht!


Welcher normal-sterbliche Mensch tut sich so etwas freiwillig an?!


Ist es angesichts dessen verwunderlich, dass sich Menschen in hohen Ämtern mangels persönlicher Wertschätzung an alternativen Werten wie Geld vergreifen? Seltsamerweise erhält man nämlich die Wertschätzung seiner Mitmenschen, sobald man mit Geld um sich wirft und protzt.


Ist es ferner verwunderlich, dass Menschen in hohen Verantwortungspositionen Macht ausüben, statt Verantwortung zu übernehmen, da sie sich als Mächtiger die Wertschätzung holen können, die ihnen als Verantwortungsvoller versagt blieb?


Ist es schließlich verwunderlich, dass Politiker ihre Bürger nicht ganz für voll nehmen und diese mit luftleeren Wahlversprechen über den Tisch ziehen, wenn sich die lieben Bürger wie kleine, motzende Kinder verhalten, die selbst nichts honorieren aber für jeden Mist honoriert werden wollen?


All dies entschuldigt natürlich nicht das Fehlverhalten verantwortungsloser Amts- und Würdenträger. Aber es zeigt uns, dass wir als Bürger auf der Rückseite der Medaille der Verantwortungslosigkeit abgebildet sind!


Sorg- und Achtlosigkeit

Neben der Selbstverständlichkeit ist es aber noch unsere Sorglosigkeit, welche die Dinge aus dem Ruder laufen lässt. Die meisten von uns haben es per Geburt in Deutschland ganz gut getroffen. Mit etwas Fleiß und Grips lässt sich in unserem Kulturkreis immer noch ein ganz gutes Leben führen. Und solange das eigene Leben in den Wohnräumen des Erdgeschosses noch halbwegs gut geführt werden kann, sieht man gerne mal darüber hinweg, wenn im Keller das Fundament zu bröckeln anfängt oder Häuser in der unmittelbaren Nachbarschaft oder anderen Ländern einstürzen. So sehen wir gerne darüber hinweg, dass wir mit unserem High-Tech-Polit-Wirtschaftssystem die dritte Welt ausbeuten und mittlerweile immer mehr uns selbst aushöhlen. 


Was kann man schließlich schon machen, wenn ...

  1. in Bangladesh Frauen in Fabriken ohne Sicherheitsstandards sterben, die unsere Klamotten in 80-Stundenwochen zusammennähen? ... sprach´s und kaufte sich einen neuen Flunder bei KIK.

  2. unsere Großkonzerne die seltenen Erden in Afrika für einen „Apfel und ein Ei“ erwerben - wie damals unsere demokratischen Kollegen der U.S.A., als sie den Indianern für eine Wagenladung voll billigem Fusel die Goldadern abzapften? ... sprach´s und kaufte sich auch dieses Jahr wieder ein neues Handy zum Vorzugspreis, weil man chic und trendy sein wollte, so wie die coolen Typen in der Werbung.

  3. die Neger in Afrika marktwirtschaftlich versklavt werden, indem man sie die seltenen Erden ohne Gesundheitsschutz fördern lässt oder sie Kaffeebohnen ungeschützt spritzen dürfen, so dass sie im besten Erwachsenenalter krepieren? Schließlich wird ja keiner dazu gezwungen, oder? Na gut, andernfalls müssten sie verhungern, weil sie dann gar keinen Job hätten. Aber vernünftig für deren Arbeit bezahlen!? Das ist Sache der Konzerne ... sprach´s und kaufte sich einen günstigen Laptop während er am wohlschmeckenden, preiswerten Markencafé nippte.

  4. die Negerkinder aus Mali an die Elfenbeinküste verschleppt werden, um kostengünstig auf Kakaoplantagen zu arbeiten, weil kleine Neger waren nämlich noch kosteneffizienter als große Neger, gell. Man hatte ja schließlich seine eigenen Probleme ... sprach´s und freute sich, dass dem eigenen Filius der gute Kakao so gut schmeckte und fuhr mit ihm einen Anzug kaufen, einmalig für die heilige Kommunion am weissen Sonntag.


Außerdem kann man sich ja nicht um alles in der Welt kümmern, man hat ja schließlich auch Probleme im eigenen Land! Aber was kann man hier schon machen, wenn im Nachbarhaus das Leben ins Wanken gerät, weil der Mann, seines Zeichens Handwerker, arbeitslos wurde und als gelernte Kraft nur noch über eine Leiharbeitsfirma für 10,-- € brutto eine Maloche zum Broterwerb ergattern konnte? Hätte er halt was gescheites gelernt, zum Beispiel Bankmanager ... sprach´s und kaufte eine billige Esszimmergarnitur bei IKEA und empfahl seinen Kunden deren Geld in griechische Staatsanleihen zu investieren, weil dies dank der EU-Bürger-Rettungsschirme eine sichere Profitanlage war ... oder sprach´s und wurde kurz darauf selber arbeitslos!

Was soll übrigens auch das Gezeter um biologische Nahrungsmittel und artgerechte Tierhaltung? Schließlich werden Tiere bei uns doch schon lange so gehalten. Das ist doch nichts Neues und Ungewöhnliches! Na und ohne Antibiotika für das Massentier und Spritzmittel für die Monopflanze geht das halt nicht, das weiß doch jeder! ... sprach´s kaufte sich ein billiges Hähnchen und Gemüse aus dem Supermarkt und wunderte sich, warum das Antibiotika des Herrn Doktor aufgrund der Erregerresistenz beim Filius mal wieder nicht anschlug und dieser mehr Allergien hatte als die Wiesen verschiedene Gräser.


Schließlich was sollte man schon machen, innerhalb einer freiheitlichen Demokratie ...

  1. mit der Möglichkeit die Politiker in Verantwortungspositionen frei zu wählen

  2. mit der Möglichkeit, über die gewählte Partei die Staats- und Wirtschaftsform gemeinsam frei zu bestimmen

  3. mit der Möglichkeit, sich frei gegenüber jedem und allem zu äußern, ohne dafür Repressalien befürchten zu müssen

  4. mit der Möglichkeit als Konsument frei zwischen dem vielfältigen Warensortiment auszuwählen und damit zu bestimmen, welcher Produzent mit welcher Firmenphilosophie zum Zuge kommt


Was sollte man schließlich auch machen, wenn man selber zwar das Richtige wollte, aber die Anderen ja sowieso nicht mitziehen würden, oder? ... dachte sich der eine, der aus Sicht des Anderen der Andere war, welcher sich wiederum insgeheim genau das gleich dachte wie der eine - in einem latenten Verantwortungsverschiebe-Pingpong.


Also, was soll man schon machen? ...

Vielleicht nicht die Verantwortung nur an Höhere, Größere, Andere abschieben und selbst nur tatenlos herummäkeln und motzen wie ein kleines, verzogenes Kind? Vielleicht einem machtgeilen, korrupten Politiker die Meinung sagen? Vielleicht mal an einer Demonstration teilnehmen oder sich bei Internetaktivisten engagieren? Vielleicht genauer hinsehen, wen man wählt? Vielleicht selbst mal Verantwortung übernehmen und mit anpacken? ...

Vielleicht auch mal verantwortungsvolle Politiker oder Vereinsaktive loben, wenn sie sich zum Wohle aller reingehängt haben? Vielleicht Verständnis aufbringen, dass es Führende allen Recht machen müssen und nicht nur einem selbst? Vielleicht auch mal nachsichtig sein, wenn mal etwas unabsichtlich daneben geht?


Und warum sollte man als einer der Verantwortung übernommen hat trotzdem sauber bleiben? ...

Vielleicht weil es die anderen irgendwie doch honorieren und nur nicht aussprechen, vielleicht weil man naive Selbstverständlichkeit und Sorglosigkeit nicht ausnutzen sollte, vielleicht weil Sie dadurch sich selbst übertreffen.


Es ist an der Zeit, dass ...

Bürger den gewählten Volksvertretern mal klar machen, dass sie ihrer Verantwortung gerecht werden sollen.


Es ist ebenso an der Zeit, dass ...

Volks- und Vereinsvertreter ihren sorg- und verantwortungslosen Bürgern mal klar machen, dass sie hier nicht die Kindergartentante für Erwachsene sind ...




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„Machtmissbrauch wird durch Selbstverständlichkeit angestiftet und durch Sorglosigkeit genährt.“