Eine Hommage an alle Narren dieser Welt

Das Spiel des
Lebens

Lustig-Weltbewegend-Tiefgründiges

von Mensch zu Mensch

 

Über die Reise von der bunten Kindheit über eine intensive Jugendzeit zum grauen Erwachsenendasein

Wie in der Erzählung des Parzival brechen wir als Heranwachsende irgendwann aus der Geborgenheit des mütterlich-väterlichen Umfelds in die große weite Welt auf um Erfahrungen zu sammeln und daran zu wachsen. Idealerweise wuchsen wir vorher wohl behütet auf und konnten uns dank einer guten Erziehung in einem herzlichen Umfeld charakterlich festigen. Mit diesem Rüstzeug stürzen wir uns nach unseren Lehr- und Lernjahren jung, unerfahren, voller Lebensfreude, Lebensmut und Lebenslust als auch voller jugendlicher Naivität und Gutgläubigkeit ins Abenteuer Leben – von den Teenager-Exemplaren, deren Lebensfreude bereits vorher durch eine zu hohe Medienbestrahlung zur Strecke gebracht wurde mal abgesehen.


Teils kommen wir ob der jugendlichen Leichtigkeit gut an bei den Mitmenschen, denn offenherzige Teenager verbreiten Freude und Lebenslust und sagen unbefangen was sie denken und für richtig halten. Das erfrischt und belustigt die Älteren zugleich, denn irgendwie hat so ein Jungspund ja Recht, aber irgendwie treffen seine gutmütigen - sprich guten, mutigen - Findungen erfahrungsgemäß nicht die wahre Realität. Der gute Junge oder das liebe Mädel weiß zwar wie die Welt sein sollte, hat aber noch nicht erfahren wie sie tatsächlich ist. Denn wie die lebenserfahrenen Menschen bereits wissen, ist die Welt nicht wie sie sein sollte ... aber diese Erfahrung wird ja nicht lange auf sich warten lassen.


Und so kam es dann auch bald, denn die Welt bestand ja schließlich nicht nur aus Gutmütigen, deren guter Mut, sich im Laufe der Zeit abgeschliffen hatte. Es gab ja auch noch die vorherrschenden Realisten, deren Vorstellung am meisten der Realität entsprach - aus dem einzigen Grund heraus, weil sie gemeinsam die Welt so dachten und infolge deren Mehrzahl für die Sicht und Gestaltung der Realität vorherrschend waren. Bei denen kam der im Narrengewande der Naivität gekleidete Teenager schon nicht mehr so gut an. Hier wurde er schnell belächelt, galt als naiv und leicht bis mittel dämlich. "Es mag schon sein, dass die Welt so sein sollte", antworteten sie auf seine Ansichten und Ideen "aber so ist sie nun mal nicht, Du Narr“! Somit war der Jüngling in der Realität angekommen, wo er plötzlich und zum ersten mal zum Narren wurde. Alles was früher im behüteten Zuhause richtig und gut war, die Ideale und guten Charaktereigenschaften, die belohnt und gefördert wurden, prädestinierten in der wahren Realität - der Welt wie sie die Erwachsenen lebten - plötzlich zum Narren. 


Was war geschehen? Weshalb erzählten Erwachsene ihren Kindern wie sie und die Welt zu sein hätte und sobald der junge Erwachsene versuchte, die Welt so zu leben, bekam er von ihr einen herben Schlag ins Gesicht und machte sich zum Narren? Wo blieb in der Welt, wie die Erwachsenen sie lebten, all das Gute, das sie gegenüber ihren Kindern proklamierten. Verließ denn alle beim Schritt aus der familiären Geborgenheit des Heims; beim Schritt vom im Inneren gedachten ins im Außen gelebte, beim Schritt vom Jüngling zum Erwachsenen der Mut und das Gute? 


Da war der Jüngling schon nicht mehr so voller Freude, Illusionen, guten Mutes und guter Vorsätze. Aber er ließ sich davon nicht abschrecken, denn was lange Jahre aus tiefstem Herzen als richtig empfunden wurde, gab man nicht so schnell auf. Und alsbald kam er an die Falschen. Die Falschen, denen ein gutgläubiger, blauäugiger Jüngling voller Kraft und Energie gerade recht kam. Denjenigen die selbst keinerlei Kraft und Energie mehr aus sich und dem Leben ziehen können, weil sie keinerlei Illusionen und Ziele, keine wirkliche Wahrheit und nichts Gutes mehr in sich pflegen. Diejenigen, die auf die Kraft und Energie von Gutgläubigen angewiesen sind, um sich daran zu bereichern. Die Falschen waren raffiniert, sie wussten wie man Unbedarfte für sich vereinnahmen konnte. Man bekräftigte sie in Ihrem Gutglauben, gab ideale Ziele vor, spannte sie damit vor den eigenen Karren, setzte sich auf den Kutscherbock und steuerte in die gegenläufige Richtung. Sobald die Gutgläubigen es merkten, fühlten sie sich zutiefst verletzt als ein dummer Narr und verloren in diesem Augenblick ihre ganze Kraft und Energie zur Gegenwehr. Diesen Zeitpunkt der Schwäche galt es mit Macht und Gewalt zu nutzen, den Narren komplett zu desillusionieren, dessen eigenen Willen zu brechen und dem eigenen Willen unterzuordnen. Der Parasit hatte es geschafft, die Energie und Kraft des dummen Narren für sich einzunehmen - jedenfalls solange es ihm gelang, diesen Menschen illusionslos und ohne guten Mutes innerhalb seines Machtgefüges zu halten. 


Auf dem Erfahrungsparcours durch die verschieden geprägten Gesellschaftsschichten werden die Hürden immer größer, an denen man sein wahres Leben in Form der eigenen Ideale lassen kann. Bei jeder Weltbild-Kaste, auf die wir im Laufe unseres Lebens beruflich oder privat treffen, haben wir die Option als „sei wie wir und werde einer von uns“ hängen zu bleiben oder als ein gemäß deren Weltanschauung armer Narr von dannen zu ziehen.


Wir können uns in Gesellschaft der abgeschliffenen Gutmütigen abschleifen lassen und uns in deren Welt der Entmutigten einreihen. Wir werden damit zu einem der vielen Gutmütigen, die auf ihrem Weg in die große weite Welt stehen geblieben sind und sich mit einem kleinen Platz im Schatten einer Welt begnügen, deren Gestaltung sie den Realisten und Falschen überlassen haben. Beim Aufeinandertreffen mit den Realisten, können wir deren Realität akzeptieren und dadurch die Isolation als Narr innerhalb der realen Gesellschaft auflösen. Durch unsere Mitgesellschaft in der falschen Realität zementieren wir diese allerdings und rücken unsere innere wahre Welt in noch weitere Ferne. Nach dem Schock im Aufeinandertreffen mit den Falschen, können wir entweder dauerhaft ein Unterdrückter bleiben und den Karren der Falschen ziehen oder uns mit den Falschen gemein machen. Indem wir zum Falschen konvertieren erhalten wir immerhin die Möglichkeit, unser erlittenes Unrecht mit Unrecht an anderen auszugleichen. 


Alle diese Lösungen bedingen, sich und das Gute, Mutige in sich aufzugeben und sich in die lange Kette der Desillusionierten, im Wachsen stagnierten einzureihen und damit die falsche Realität zu festigen. Alternativ gibt es aber auch die Möglichkeit trotz all dieser negativen Erfahrungen, mehr oder weniger guten Mutes mit seinen ursprünglichen Überzeugungen weiter auf seinem Weg durch die Welt voranzuschreiten. Als ein Gutmütiger, Wachsender, der sich in der Realität der Welt ein ums andere Mal zum Narren macht und darin über kurz oder lang den offiziellen Narrenstempel erhält - belächelt und nicht für voll genommen, weil man die Realität der Vorherrschenden nicht als seine anerkennt, weil man das falsche Spiel der Falschen nicht mitspielt und sich deren Gesetzen und Gepflogenheiten entzieht, indem man die tief in sich empfundene Wahrheit spricht oder gar einfordert. 


Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich zum Narren zu machen. Da gibt es den naiven Narren, der stoisch und stur ohne Bedacht der Spielregeln und Realität, zu welchen sich seine Mitmenschen kollektiv bekannt haben, die Wahrheit einfordert und sich jedes Mal auf´s neue der Lächerlichkeit preisgibt - mit der Gefahr, sich und seine Kräfte bis zur Resignation zu verzehren. Auf der anderen Seite gibt es den Narren, der die Spielregeln der Welt akzeptiert hat. Der seine innere Sicht behält und als Zugeständnis für die Gesellschaft seiner Mitmenschen die einzige Rolle akzeptiert, in welcher die Wahrheit in der falschen Realität akzeptiert wird - die Rolle als Narr. Dadurch dass er gegenüber seinen Mitmenschen ein Stück seiner Zurechnungsfähigkeit einbüßt, kann er seine innere Wahrheit weiterhin frei äußern. Durch seinen unverfälschten Blick entdeckt er zunehmend die Differenz der Welt zur Wahrheit und kann durch sein Los der eigenen Lächerlichkeit die Selbstlügen der Welt der Lächerlichkeit preisgeben. Diese Narren durchschauten das falsche Spiel oft derart, dass sie selbst den größten Falschspielern, den egozentrischsten Herrschern ihrer Zeit auf dem Kopf tanzten. 


Narren sind die Schöpfer des Humors - des Humors als dem intuitiven Erkennen der Wahrheit in Verbindung mit dem Eingeständnis der eigenen Lächerlichkeit. Narren trugen dazu bei, dass die Wahrheit zumindest im Verborgenen des Humors über die Jahrtausende der falschen Realität hinweg lebendig blieb. Trotz dieses heroischen und mutigen Einsatzes für die Wahrheit, liegt darin aber nicht die Lösung für den Narren und er bleibt zeitlebens innerhalb der kollektiven Realität als Narr verhaftet. Die Lösung für Narren liegt in zunehmender, innerer Sicherheit und Gewissheit, wodurch sie sich gleichermaßen von äußerer Bestätigung und damit der traurigen Lächerlichkeit entbinden. Die Lösung liegt darin, ungeachtet der falschen Realität der Mitmenschen einfach zu sich und damit über dem Falschen zu stehen. Der zugedachte Spott und die Lächerlichkeit seitens der innerlich unerwachsenen Realisten und verwachsenen Falschspieler spiegelt an einem innerlich Gewachsenen automatisch auf die wahren Narren im Spiel des Lebens zurück.


In einer Welt voller Narren, ist deren Narr der eigentliche König. Hoch lebe deshalb der Narr - der wahre König in einer wahren Welt!


Wofür haben Sie, lieber Leser sich im Laufe Ihres Parcours entschieden - für die entmutigten Gutmütigen, die Realisten, die Falschspieler oder hatten Sie gar den Mut ein Narr zu bleiben? Wie auch immer, machen Sie sich nichts draus. Es ist schließlich nie zu spät, sich zum Narren zu machen, um ein wahrer König zu werden!




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„Naivität ist eine einfache Wahrheit, die unabhängig von der gesellschaftlichen Realität ausgesprochen wird.


Das Lächerliche daran ist, dass man sich dadurch innerhalb einer illusionslosen Gesellschaft ohne gelebte Wahrheit, lächerlich macht.“